Einer meiner früheren Azubis, der damals eine Woche im Lager eingesetzt war, kam am Montagmorgen nach seinem Lagereinsatz zu mir und verkündete stolz: „Letzte Woche habe ich etwas ganz Wichtiges gelernt. Und zwar war das so: Am ersten Tag teilte man mir mit, dass ich die Regale in Gang 4B einräumen sollte. Ich war damit recht schnell fertig, so gegen 13.00 Uhr und hatte dann noch drei Stunden Zeit. Also ging ich zum Lagerleiter und fragte ihn, was ich denn noch tun könne. Da gab er mir eine Schachtel mit Schrauben und Müll drin, die ich dann aussortieren sollte. Am zweiten Tag war es ganz ähnlich. Ich war mit Gang 6C wieder zu früh fertig und wieder ging ich zum Lagerleiter und fragte, was ich tun könne. Da gab er mir einen schmutzigen Lappen und ließ mich die alten Ladenhüter im hintersten Eck entstauben. Das war vielleicht eine Drecksarbeit! Am dritten Tag war ich wieder zu schnell, da nahm mich der Lagerleiter beiseite und meinte ‚Du kapierst es einfach nicht! Wenn ich dir Arbeit gebe, dann teil sie dir doch so ein, dass du bis Feierabend fertig bist. Und wenn du zu viel Zeit hast, dann geh halt zum Cola-Automaten, eine Rauchen oder aufs Klo!‘ Da verstand ich, dass man nie zu schnell sein darf, weil man sonst die Deppenarbeit obendrauf bekommt.“

Die guten und schnellen Mitarbeiter werden oft bestraft, indem sie dann noch sinnlose Zusatzarbeit erledigen dürfen. Oder eben das was andere aus Inkompetenz, Faulheit – oder einfach nur deshalb weil sie das Spiel besser spielen als andere – nicht mehr geschafft haben. Sinn macht das nicht.

Derartige sinnlose Spielchen drängen die Mitarbeiter regelrecht dazu, das Unternehmen auszunutzen. Motiviert ist hier schon lange keiner mehr und Unternehmenserfolg steigert das nicht! Unternehmen erziehen sich mit derartigen Sinnlosigkeiten so genannte Sinnverschieber, die Sinn nicht mehr in der Arbeit suchen, weil Sinn dort nicht zu finden ist. Die Sinnverschieber suchen vielmehr Sinn im Privaten, in der Familie im Sport. Die Arbeit dient  nur dazu, um dem Privaten zu nützen und schlussendlich finanziell abgesichert zu sein. Sinnverschieber haben es sich ihrem Söldnerdasein bequem gemacht und finden womöglich den einzigen Sinn in der Arbeit Überstunden aufzubauen, Zeit und Fliegen tot zu schlagen oder Kugelschreiber zu klauen.

Diejenigen, welche jedoch weiter an den wahren Sinn in der Arbeit glauben und den Sinn weiter suchen, das sind die Sinnsucher. Sie werden in solchen Unternehmen frustriert, haben keine Lust und Energie für Sinnlosigkeiten und wandern nach kurzer Zeit zum nächsten Unternehmen. Da kann man niemandem mehr den Vorwurf des Job-Hoppings machen, was noch bis vor wenigen Jahren bei der Betrachtung von Lebensläufen recht verpönt war. Jetzt scheint es doch vielmehr eine neue Leistungssportart für die High-Potentials der Nation geworden zu sein.