Ich lebe nicht für meinen Job.

Der Vater hatte die Rolle eines Wochenendbesuchers: 1989, als Julia 6 Jahre alt war, und durch einen Magen-Darm-Infekt um den Schlaf gebracht wurde, registriert sie zum ersten Mal bewusst, dass ihr Vater Helmut auch unter der Woche zu Hause ist. Nur zu den Zeiten, in welchen sie schon oder noch im Bett ist. So fand sie ihre Krankheit gar nicht mal so schlecht, denn so war auch ihr Vater für sie sichtbar – zumindest in diesen 4 Nächten, in denen sie so krank war. Ein erfolgreicher Manager, der täglich schon vor 6 Uhr das Haus verlässt, um dem täglichen Berufsverkehr zu umgehen, und das gleiche Spiel bei der Rückfahrt. Helmut kommt keinen Tag vor 21.00 Uhr nach Hause. Er hat Familie, ja, aber er sieht sie nicht wirklich. Am Wochenende ist er geschafft, ermüdet, matt bis depressiv. Es fehlt ihm jeglicher Antrieb mit seinen Kindern etwas zu Unternehmen. Heute arbeitet er nicht mehr – er ist berufsunfähig. Mit 55 Jahren überlebte er einen Herzinfarkt, jetzt ist er nicht mehr vermittelbar und noch immer nicht gesund.

Helmuts Kinder haben gesehen, was der Job mit ihrem Vater gemacht hat. Zum einen hat er ihnen ihren Vater zeitlich gestohlen, zum anderen aber diesen auch gesundheitlich zerstört. Die Kinder der Generation der Baby Boomer, die noch getrieben von Pflichtbewusstsein und Geschwindigkeit getrieben sind, haben bereits in der Kindheit unter Jobs gelitten. Unter den Jobs ihrer Eltern. Sie wollen es anders machen. Sie wollen auch ein Leben neben dem Job. In einer Zeit des demografischen Wandels wissen sie, dass sie ohnehin bis mindestens 70 arbeiten werden. Daher fordern sie vorher schon ein gutes Gleichgewicht zwischen Arbeit und Privatleben und vor allem auch Gesundheit für ein langes Leben.

Weiter sind auch immer weniger junge Arbeitnehmer bereit, erst die Karriere anzuvisieren und dann irgendwann mal Kinder zu bekommen. Immer mehr junge Menschen streben wieder an, früher Eltern zu werden, und nicht mehr erst, wenn schon 40 Kerzen von der Geburtstagstorte lachen. Das Privatleben bekommt wieder mehr Gewicht. Kinder werden nicht mehr zwingend als Karrierekiller gesehen. Nicht zuletzt ist diese leichte Tendenz der Verjüngung auch aus den zunehmend veröffentlichten medizinischen Erkenntnissen abzuleiten: Dass genbedingte Krankheiten bei Kindern in Korrelation mit dem Alter der Mutter stehen, ist nicht erst seit gestern bekannt. Aber das Thema wird bewusster wahrgenommen und junge Menschen setzen demnach ihre Prioritäten, für eine verantwortungsvolle Gestaltung der eigenen Zukunft und derer ihrer Kinder. Das Thema Kinderbetreuung wird daher in den nächsten Jahren noch stärker auf die sinnstiftenden To-Do-Listen deutscher Unternehmen kommen.

Die Ypsiloner wollen einen erfüllenden Job, der ihren Werten entspricht, sie damit gesund hält und ihnen Freiheiten gibt, das Leben selbst zu gestalten. Es gibt keine feste Form dafür: die einen bevorzugen eine sehr strikte Trennung zwischen Privat- und Berufsleben und sind auch nicht bereit am Wochenende oder im Urlaub telefonisch erreichbar zu sein. Sie stehen für ihre Freiheiten ein und fordern ihre Freizeit. Die Abgrenzung ist eine stärkere. Wiederum andere haben keine Probleme damit Beruf- und Privatleben als eine Einheit zu sehen und dafür daueronline zu sein, dafür aber selbst die Zeiten bestimmen zu können. Die freie Gestaltung ihres Arbeitsfeldes, die freie Strukturierung des Tags ist es, was einen hohen Wert dieser Generation definiert. Sie sind nicht mehr wie ihre Eltern bereit Kompromisse zwischen Familie und Job einzugehen. Sie wollen beides. Und sie wollen die Freiheit diese Felder selbst nach den eigenen Vorstellungen zu gestalten, damit es für sie Sinn macht. Der Arbeitgeber kann und muss sogar einen sinnvollen Rahmen dafür bieten, wenn er morgen noch erfolgreich sein will.