Eines der meist genannten Begrifflichkeiten, wenn es um Sinnlosigkeiten im Unternehmen geht,  ist die Zeiterfassung. Warum empfinden viele Mitarbeiter diese als störend, sinnbehindernd? Warum sind viele Mitarbeiter durch so ein System der Zeiterfassung demotiviert? Oder aber bringt die Zeiterfassung Menschen erst zur Frage nach dem Sinn?

Ganz kritisch betrachtet, was kann die Zeiterfassung überhaupt: Sie bindet mindestens eine Person im Unternehmen, welcher Herr oder Frau über das System ist. In der Regel ist diese Person im Personal angesiedelt – es handelt sich ja um persönliche Daten – Einer meiner Kollegen nannte diese Person immer liebevoll die Zeiterfassungs-Hexe. – Da wird akribisch darauf geachtet, dass jeder pünktlich ein- und ausstempelt, nicht zu viele Pausen macht oder überhaupt ein- und ausstempelt. Diese Zeiterfassungs-Hexe ist selbst in der Regel ein sehr ordentlicher und gewissenhafter Mensch. Doch könnte man dieses Potenzial von Gewissenhaftigkeit nicht auch gewinnbringender ins Unternehmen einbringen? Zum Beispiel indem man ihr Controlling-Aufgaben übergibt, Verantwortung zuweist und nicht die schwere Bürde des Galeren-Aufsehers überträgt und zwanghaft die Kollegen mitkontrollieren muss.

In einem früheren Konflikt mit meiner Zeiterfassungs-Hexe kam es einmal sogar soweit, dass sie mir aus dem nichts, als ich ihr kein Argument für ein Problem mit einem Azubi, für welchen ich verantwortlich war, einfiel, an den Kopf war: „Ja und Sie, Sie sind ja auch heute erst um 7.38 Uhr zur Arbeit gekommen!!“ Ich überprüfte das und siehe da, sie hatte Recht. Was folgern wir daraus, wir binden hier eine menschliche Ressource, die nicht nur genau ist, sondern auch ein Gehirn hat wie ein Elefant. Meine Damen, meine Herren, diese Person kann man sicher gewinnbringender und vor allem motivierender einbringen. Denn überlegen Sie doch mal, viele Freunde hat man als Kontrolleur nicht… oder hatten Sie schon mal den Impuls sich mit dem Fahrkartenkontrolleur in der U-Bahn anzufreunden, nachdem er Ihnen freundlich ein Ticket über 40,- Euro ausstellte, weil das Portemonnaie mit der Monatskarte zu Hause auf der Couch lag? Wohl kaum- es sei denn, er/sie war möglicherweise besonders charmant und gutaussehend noch dazu…

Halten wir fest, die Zeiterfassung bindet mindestens eine menschliche Ressource im Unternehmen. Weiter verspricht es Sicherheit darüber, dass Mitarbeiter auf ein Zeitkonto einzahlen, als ihren Körper für eine bestimmte Zeit an einen bestimmten Ort bewegen und dafür Geld bekommen. Ob dieser Körper in dieser bestimmten Zeit an diesem bestimmten Ort Leistung erbringt ist nicht gewährleitstet, denn dafür sind ganz andere Faktoren verantwortlich. Ein Unternehmen kann mit einem Zeiterfassungssystem lediglich kontrollieren, ob ein Mitarbeiter physisch anwesend ist. Das gleiche könnte man auch mit einer Fußfessel. Und ich möchte auch zugleich behaupten, dass es bestimmte Bereiche gibt, in denen so ein System zwingend notwendig ist. Wie beispielsweise in der Produktion, wo es die Funktion einnimmt Struktur in einem komplexen Prozess zu generieren und damit Produkte pünktlich liefern zu können. Keine Frage. Aber denken wir an die vielen Personen an den Schreibtischen, welche vermeintlich selbstbestimmt ihre Arbeit vollziehen müssen und nur das Ergebnis zählt. Hier behaupte ich ist so ein System nicht nur behindernd, da es uns Misstrauen suggeriert, sondern das Zeiterfassungssystem verleitet vor allem zu Schummeln.

Wir sind nicht mehr in einer Zeit, in der sich Menschen kontrollieren lassen. Überall wird uns Freiheit suggeriert, wir sind ein freies Volk. Doch sind war das wirklich. In unserem Arbeitskontext traurigerweise nur in wenigen Fälllen. Und was macht der intelligente Mitarbeiter: Rechnen. Das bedeutet, wenn ich mehr Zeit in mein Konto einzahle, dann bekomme ich entweder mehr Geld heraus oder aber kann diese „gearbeitete Zeit“ in Freizeit umwandeln. Das bedeutet, ich muss versuchen, so viel Zeit wie es mir möglich ist an meinem Schreibtisch zu verbringen. Und Sie sehen das schon richtig. Das verleitet nicht dazu, die Aufgaben möglichst schnell zu erledigen, denn wir müssen ja ohnehin bis mindestens 16.00 Uhr hier bleiben. Und zudem kann ich es später wieder in Umwandeln in Gehalt oder in Freizeit. Leider ist es oft auch noch so, dass Vorgesetzte ihre Mitarbeiter daran beurteilen, wie viel Zeit sie für die Firma opfern und dies geschieht oft dadurch, dass man einfach nur da ist. Es heißt ich erhalte durch meine längere Anwesenheit am Arbeitsplatz ohne Rücksicht auf Ergebnisse zum einen monetären oder freizeitlichen Ausgleich, aber zum anderen vor allem Sicherheit – sofern dies ein Messinstrument für Führungskräfte in der Beurteilung ihrer Mitarbeiter ist. Traurig ist das. Denn so sitzen tagtäglich Millionen von Potenzialträgern wie Hühner in der Legebatterie und verlagern ihre Konzentration von den ursprünglichen Aufgaben, die im Arbeitsvertrag festgehalten wurden auf die eine Aufgabe: Wie kann ich möglichst lange im Büro bleiben und dabei möglichst beschäftigt aussehen? Folge dessen ist, dass mehr Pausen gemacht werden, die Seiten wie bild.de oder facebook.com sowie Online-Shopping nimmt zu und der Mitarbeiter zunehmend, mehr und mehr in eine Spirale der Sinnlosigkeit am Arbeitsplatz gerät. Sie werden zum Super-Mario-Schwammerl-Sammler ihrer eigenen Arbeitszeit. Ihr einziges Ziel besteht darin Schwammerl bzw. Stunden zu sammeln, um am Ende des Tages, Monats, Jahres, Lebens ins next Level zu kommen. Wir haben hier eine Verschiebung der Prioritäten, nicht mehr die eigentliche motivierende Aufgabe steht im Vordergrund sondern die Aufgabe, wie fülle ich die Stunden am Arbeitsplatz. Aber, dass wir in dieser Zeit kostbare Lebenszeit investieren, Lebenszeit, die uns keiner zurückbringen kann und unseren Todestag zunehmend näher rücken lässt, daran denken die wenigsten.

Unternehmen stehen daher vor der Herausforderung, den Mitarbeitern Sinn in ihrer Arbeit zu geben, den Raum sich auf ihre Aufgaben, in dem was sie gut sind, sich darauf zu konzentrieren und nicht von einer Prioritätenverschieben wie sie durch die Zeiterfassung generiert wird behindert werden. Deutsche Unternehmen müssen es schaffen ihre je individuelle Sinn-Kultur zu kultivieren, und die Mitarbeiter zu finden, welche den Virus „Sinn“ bereits in sich tragen. Diese werden ohne jegliche Kontrollmechanismen ihre Aufgabe mit höchster Eigenmotivation erledigen, weil sie endlich im Unternehmen das Mutterschiff gefunden haben. Das wofür es sich jeden Tag lohnt aufzustehen. Ich rate daher dringend, wenn möglich, tauschen Sie Zeiterfassungs-Systeme durch Vertrauen aus. Vertrauen in Ihre Mitarbeiter, welche sie selbst ausgewählt haben, da sie daran glauben, dass diese ins System passen. Vertrauen in die Arbeit ihrer Mitarbeiter und Vertrauen vor allem in die Arbeit mit Ergebnissen. Geben Sie ein Ziel, ein großes Bild vor und sie werden überrascht sein, Sie werden 1000fach dafür entlohnt werden.